Am 18. Oktober 2025 lud die Bundeselternvertretung KiTa (BEVKi) zu ihrem bundesweiten Fachtag „Eltern am Limit – Belastungen von Familien mit KiTa-Kindern“ in den Martinsclub Bremen-Neustadt ein. Von 12 bis 18 Uhr kamen Eltern, Elternvertretungen, Fachkräfte, Engagierte aus der Zivilgesellschaft sowie Vertreter*innen aus Politik und Fachöffentlichkeit zusammen, um über Mehrfachbelastungen von Familien zu sprechen – und darüber, was sich politisch und strukturell ändern muss.

Ziel des Fachtags war es, die Lebensrealität von Familien in besonders belastenden Situationen sichtbar zu machen, strukturelle Ursachen zu benennen und gemeinsam Maßnahmen für gerechtere frühkindliche Bildung zu diskutieren. Im Zentrum standen Familien, die von zusätzlichen Stressfaktoren wie Armut, Alleinerziehen, Krankheit oder Behinderung betroffen sind.

Ankommen, Vernetzen, Ankommen im Thema

Bereits vor 12 Uhr nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit zum Ankommen und ersten Austausch. Beim gemeinsamen Mittagessen wurden erste Kontakte geknüpft: Eltern aus verschiedenen Bundesländern kamen mit den Bundeselternsprecher*innen der BEVKi, Delegierten der Landeselternvertretungen sowie Ehrenamtlichen aus Organisationen des Bildungsengagements ins Gespräch – etwa vom Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV), dem Bundesnetzwerk der Migrantenorganisationen für Bildung & Teilhabe (bbt) oder der Bundesschülerkonferenz (BSK).

Das Programm begann mit einer offiziellen Begrüßung und Grußworten. Deutlich wurde gleich zu Beginn: Immer mehr Eltern geraten an ihre Grenzen, weil passende Betreuungsplätze fehlen, Beruf und Familie schwer zu vereinbaren sind und Unterstützungsstrukturen nicht ausreichen.

Bestandsaufnahme: Wie geht es Familien mit KiTa-Kindern?

Zwischen 13:30 und 14:00 Uhr stand die Lebenswelt von Familien mit KiTa-Kindern im Mittelpunkt. In einem offenen Gespräch mit den Teilnehmenden wurden Erfahrungen gesammelt:

  • fehlende Verlässlichkeit von Betreuung,
  • hohe mentale Belastung,
  • Unsicherheit bei zusätzlichem Unterstützungsbedarf der Kinder,
  • Druck durch finanzielle Sorgen oder gesundheitliche Einschränkungen.

Die Runde machte deutlich, wie schnell Familien „aus dem Gleichgewicht“ geraten können, wenn mehrere Belastungsfaktoren zusammenkommen – und wie sehr sie auf verlässliche Strukturen angewiesen sind.

Drei parallele Workshops: Vom Erleben zum Handeln

Von 14:00 bis 15:15 Uhr vertieften die Teilnehmenden die Themen in drei parallelen Workshops:

  1. „Vom Bewusstsein zur Botschaft: Sichtbarkeit für Eltern von Kindern mit Unterstützungsbedarf“
    Unter der Leitung von Susanne Jiménez, Kita-Praxisberaterin, M.A. Soziale Arbeit, B.A. Heilpädagogin, ging es darum, wie Eltern von Kindern mit besonderem Unterstützungsbedarf ihre Anliegen besser sichtbar machen können in KiTa, Verwaltung, Politik und Öffentlichkeit. Diskutiert wurden Wege, um aus individueller Überforderung gemeinsame Botschaften und politische Forderungen zu entwickeln.
  2. „Eltern am Limit – Gemeinsam leichter tragen“
    Friederike Nagel, Erzieherin und Familienberaterin, arbeitete mit den Eltern zu der Frage, wie sie im Alltag handlungsfähig bleiben können. Im Vordergrund standen gegenseitige Unterstützung, Stärkung von Selbstwirksamkeit und der Umgang mit Stress im Familienleben. Die Teilnehmenden nahmen praktische Impulse für den Alltag mit und das Gefühl, mit ihren Sorgen nicht allein zu sein.
  3. „Soziale Ungleichheiten, psychosoziale Belastungen und Gesundheit von Eltern und Kindern im KiTa-Kontext – was ist zu tun?“
    Petra Rattay (Abteilung Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring / FG Soziale Determinanten der Gesundheit, Robert Koch-Institut) stellte Studien vor, die den Zusammenhang zwischen sozialer Benachteiligung, Belastungen und Gesundheit aufzeigen. Deutlich wurde, wie ungleich Chancen verteilt sind und wie wichtig Prävention, niedrigschwellige Unterstützung und gute Rahmenbedingungen in KiTas sind.

Nach den Workshops bot eine Kaffeepause von 15:15 bis 15:45 Uhr Raum für Austausch und Vernetzung.

Gute Praxis aus Bremen: Die Initiative BRISE

Von 15:45 bis 16:00 Uhr wurden die Ergebnisse der Workshops im Plenum zusammengetragen. Viele Beiträge machten klar: Eltern haben konkrete Ideen, was sich verbessern muss – von verlässlicher Betreuung über mehr Personal bis zu besseren Beratungsangeboten.

Anschließend wurde von 16:00 bis 16:30 Uhr die Bremer Initiative zur Stärkung frühkindlicher Entwicklung (BRISE) vorgestellt.
Prof. Dr. Birgit Mathes (Universität Bremen) und Dr. Dave Möwisch (Leibniz-Institut für Bildungsverläufe) erläuterten, wie in Bremen frühkindliche Entwicklung systematisch und wissenschaftlich begleitet gestärkt wird. Die Initiative diente als Beispiel dafür, wie Kommunen und Wissenschaft zusammenarbeiten können, um Kinder, insbesondere in belastenden Lebenslagen, besser zu unterstützen.

Podiumsgespräch: Was brauchen Eltern – und wie stärken wir uns gegenseitig?

Auf dem Podium diskutierten:

  • Sarah Regelien, Referatsleitung Frühe Kindheit im Gesundheitsamt der Freien Hansestadt Bremen,
  • Erika Biehn, Vorständin im Verband alleinerziehender Mütter und Väter Bremen e.V.,
  • Prof. Dr. Birgit Mathes, Leiterin des BRISE-Forschungsprojekts der Universität Bremen,
  • Dr. Dave Möwisch, Leibnitz-Institut für Bildungsverläufe, Bamberg,
  • Siphilisiwe Ndlovu, Bundeselternnetzwerk der Migrantenorganisationen
    für Bildung & Teilhabe (bbt),
  • sowie Katharina Queisser der Bundeselternvertretung KiTa (bevki).

Im Gespräch wurden sowohl strukturelle Forderungen als auch konkrete Unterstützungsansätze thematisiert:

  • bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf,
  • bedarfsgerechter Ausbau von KiTa-Plätzen,
  • Unterstützung für Alleinerziehende,
  • Anerkennung und Stärkung von Elternvertretungen,
  • verlässliche Finanzierung von frühkindlicher Bildung und frühzeitige Hilfen.

Zugleich ging es um die Frage, wie Eltern sich gegenseitig stärken und vernetzen können – etwa über Elternvertretungen, Selbsthilfegruppen oder digitale Austauschformate.

Abschluss, Ausblick und persönliches Fazit

Von 17:30 bis 18:00 Uhr wurden die wichtigsten Punkte des Tages zusammengefasst und ein Ausblick gegeben: Die BEVKi wird die gesammelten Perspektiven, Forderungen und Anregungen aus dem Fachtag in ihre politische Arbeit einfließen lassen und sich weiterhin solidarisch an die Seite von Familien in besonders belastenden Situationen stellen. Beim anschließenden Get-together klang der Tag in vielen persönlichen Gesprächen aus.

Ein Elternteil fasste die Stimmung so zusammen:

„Ich habe einen spannenden Tag erlebt und viele tolle Menschen mit interessanten Geschichten kennengelernt. Eine sehr gelungene Veranstaltung und ein großes Kompliment an alle, die sich für die Interessen ALLER Eltern über die Maße engagieren.“

Rahmenbedingungen und Teilnehmende

Eingeladen waren Eltern, Elternvertretungen, Fachkräfte der frühkindlichen Bildung, Vertreter*innen aus Politik und Fachöffentlichkeit sowie alle Interessierten. Die Teilnahme war kostenfrei; für ein gemeinsames Mittagessen und Pausenverpflegung war gesorgt. Um die Teilnahme von Familien zu erleichtern, war eine Kinderbetreuung vorgesehen, deren Bedarf bei der Anmeldung angegeben werden konnte.

Über die BEVKi

Die bevki – Bundeselternvertretung der Kinder in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege vertritt seit 2014 als gesetzliches Gremium die Interessen der Eltern von Kindern im KiTa-Alter gegenüber der Politik. Der bevki-Fachtag findet alle zwei Jahre statt und greift aktuelle Herausforderungen aus Sicht der Eltern auf. Mit dem Fachtag 2025 unter dem Titel „Eltern am Limit“ hat die bevki die Perspektiven besonders belasteter Familien in den Mittelpunkt gerückt, mit dem klaren Ziel, zu gerechter, vielfältiger und partizipativer frühkindlicher Bildung beizutragen.

Pressekontakt:
Annegret Menden
Leitung BEVKi-Geschäftsstelle
geschaeftsstelle@bevki.de
+49 (0)30 577 010 777

 

  

Eltern am Limit – bevki-Fachtag macht Mehrfachbelastungen sichtbar und vernetzt betroffene Familien