Mit ein wenig Verzögerung veröffentlichen wir die Antworten auf unsere Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl 2017. Ein Vergleich der Antworten in den nachfolgenden Bildern und als PDF zum Herunterladen.

Wir wollen, dass alle Eltern einen Kitaplatz finden, wenn sie einen suchen.
Was kann der Bund tun, um die Länder und Kommunen dabei zu unterstützen, Kitas in ausreichender Zahl zur Verfügung zu stellen?

CDU/CSU: In Deutschland gibt es seit 1996 einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz ab dem vollendeten dritten Lebensjahr. Seit 2013 haben zudem auch ein- und zweijährige Kinder einen Anspruch auf einen Betreuungsplatz in einer Tageseinrichtung oder in Kin-dertagespflege. CDU und CSU haben es damit Familien erleichtert, Beruf und Familie besser aufeinander abzustimmen. Beim Ausbau der Angebote hat die Union in der Bun-desregierung die Länder massiv unterstützt. Die Länder bekamen rund 6 Milliarden Euro Zuschüsse zum Ausbau des Kita-Angebotes. Nun erhalten die Länder vom Bund mehr als 1,1 Milliarden Euro zusätzlich. Dadurch können sie nochmal 100 000 weitere Kita-Plätze anbieten. Inzwischen besuchen rund 95 Prozent aller Kinder vor der Schule einen Kindergarten. Die Betreuungsquoten von Kindern unter 3 Jahren haben sich in den letzten Jahren auf über 32 Prozent verdoppelt und steigen seither weiter.

SPD: Wir wollen auch künftig in ein ausreichendes Angebot an Krippen, Kitas, Kindertagespflege,
Horten und Ganztagsschulen investieren und zusätzliche Plätze für alle Kinder schaffen. Gerade kürzlich haben wir ein neues Investitionsprogramm auf den Weg gebracht, mit dem der Bund 1,2 Milliarden Euro für 100.000 neue Kita-Plätze zur Verfügung stellt. Diesen Weg wollen wir weitergehen. Weil die Nachfrage der Eltern weiter steigt. Weil erfreulich viele Kinder geboren werden. Und weil für geflüchtete Kinder im Kita-Alter Integration in die deutsche Gesellschaft vor allem heißt: schnelle Integration in eine Kindertageseinrichtung.

Die Linke: Die Beteiligung des Bundes am Kitaausbau ist zu gering. Perspektivisch fehlen bis zu 350.000 Kitaplätze. DIE LINKE fordert ein bundesweit gültiges Kitaqualitätsgesetz mit einer deutlich stärkeren Beteiligung des Bundes auch an den laufenden Kosten des Betriebs.

Bündnis 90/Die Grünen: In den vergangenen Jahren wurden viele Kita- und Krippenplätze geschaffen. Dieser Ausbau der Angebote für die Kinder ist ein großer Erfolg. 2016 wurden bundesweit 719.558 Kinder unter drei Jahren gezählt, die eine Kindertageseinrichtung oder eine Kindertagespflegestelle besuchen. Die Betreuungsquote lag demzufolge zuletzt bei 32,7 Prozent aller Kinder unter drei Jahren. Inzwischen steigt der Bedarf für alle Kinder bis zum Schuleintritt. Aktuelle Berechnungen des Deutschen Jugendinstituts gehen davon aus, dass bis 2020 350.000 Angebote geschaffen werden müssten. Leider wird sich die Bundesregierung nur an der Schaffung von weiteren 100.000 beteiligen. Wir wollen die fehlenden 250.000 Plätze finanzieren, damit es für alle Eltern mit ihren Kindern, die ein Angebot wollen, auch eines gibt.

FDP: Die Länder und Kommunen allein sind bei der Schaffung von ausreichenden Kitaplätzen überfordert. Deshalb muss sich auch der Bund noch stärker an der Finanzierung frühkindlicher Bildung beteiligen. Den Eltern muss ein größtmögliches Angebot geboten werden. Um Angebot und Qualität der Kitas zu verbessern, sollen Kindertagesstätten in öffentlicher und freier Trägerschaft deshalb in einem fairen Wettbewerb zueinanderstehen. Investitionen in die frühkindliche Bildung zahlen sich später vielfach aus – dafür wollen wir Freie Demokraten uns stark machen.

Es gibt einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz ab eins. Was können Eltern tun, wenn sie keinen Platz zum 1. Geburtstag gefunden haben?

CDU/CSU: CDU und CSU arbeiten dafür, dass Betreuung überall dort, wo sie von Eltern gewünscht oder benötigt wird, auch tatsächlich vorhanden ist. Seit dem Jahr 2013 haben Eltern ei-nen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz ab dem vollendeten 1. Lebensjahr. Wird der el-terliche Betreuungswunsch von den Kommunen nicht erfüllt, haben die Eltern die Mög-lichkeit, einen Betreuungsplatz einzuklagen.

SPD: Wir haben durchgesetzt, dass seit 1. August 2013 jedes Kind ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz in einer Kita oder bei einer Tagesmutter hat. Zugleich wurden mit dem Kinderförderungsgesetz die Finanzhilfen des Bundes zum Ausbau der Kindertagesbetreuung geregelt. Eltern, die trotz des erheblichen Platzausbaus zum Wunschtermin keinen Betreuungsplatz für ihr Kleinkind bekommen und deshalb erst später arbeiten gehen können, haben nach BGH-Rechtsprechung grundsätzlich Anspruch auf Schadenersatz. Bislang gab es jedoch bundesweit nur vereinzelt entsprechende Versorgungsengpässe mit anschließenden Klagen. Wir werden uns auch weiterhin für einen bedarfsgerechten Ausbau des Bildungs- und Betreuungsangebots mit finanzieller Unterstützung des Bundes einsetzen.

Die Linke: Alle Kinder ab dem ersten Geburtstag haben einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz. Sollten Eltern dennoch keinen Platz für ihre Kinder gefunden haben, empfehlen wir den Eltern, ihren Rechtsanspruch gerichtlich durchzusetzen bzw. eine rechtliche Durchsetzung des Anspruches anzudrohen. Nach unserer Kenntnis ist dies derzeit ausreichend, um einen Platz zu bekommen.

Bündnis 90/Die Grünen: Eltern sollten sich auf jeden Fall mit ihrem Anliegen an das zuständige Jugendamt wenden. Erst wenn das Jugendamt nicht in einer angemessenen Zeit einen passenden Platz anbietet, steht Eltern der Rechtsweg offen.

FDP: Wir Freie Demokraten fordern eine ausreichende Versorgung mit qualitätsvollen Krippen und Kindergärten, die wir sukzessive kostenlos anbieten wollen. Dass Eltern trotz Rechtsanspruch keinen Kita-Platz finden, werden wir nicht hinnehmen. Um den Ausbau des Betreuungsangebots weiter voran zu treiben, wollen wir die Ausbildung und Arbeitssituation der Erzieher weiter verbessern und somit den Erzieherberuf attraktiver machen. Diese sollten dafür auch angemessen bezahlt werden. Wir unterstützen deshalb den bereits initiierten Dialog zwischen Bund und Ländern mit dem Ziel vergleichbarer und dabei qualitativ hochwertiger Standards. Wir Freie Demokraten wollen dabei auch Betriebskindergärten und private Einrichtungen mit kirchlichen, öffentlichen sowie gemeinnützigen Trägern gleichstellen und bürokratische Hürden für neue Einrichtungen abbauen, um dem Mangel an Plätzen entgegenzuwirken.

Einen Kitaplatz zu haben ist wichtig, das reicht Eltern aber oft nicht aus. Sie wollen einen guten Kitaplatz für ihr Kind. Welche konkreten Maßnahmen wollen Sie ergreifen, um die Qualität in den Kitas zu verbessern?

CDU/CSU: Bis heute hat sich der Bund mit rund 8 Milliarden Euro an dem Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren beteiligt. Der Zwischenbericht 2016 von Bund und Ländern „Frühe Bildung weiterentwickeln und finanziell sichern“ stellte fest, dass der massive Ausbau – anders als vielfach erwartet – nicht zu einer qualitativen Verschlechterung der Kindertagesbetreuung geführt hat. Bund, Länder, Kommunen und Träger haben zur Sicherung und Entwicklung der Qualität vielfältige Anstrengungen unternommen, dennoch gibt es natürlich weiteren Entwicklungsbedarf.
Mit dem in diesem Jahr beschlossenen Gesetz zum weiteren quantitativen und qualitativen Ausbau der Kindertagesbetreuung wird der Weg geebnet, den Ländern und Kom-munen Bundesmittel für den weiteren Ausbau von 100 000 Plätzen für die Kindertagesbetreuung bereitzustellen. CDU und CSU werden sich dafür einsetzen, dass der Bund die Länder und Kommunen auch in den kommenden Jahren unterstützt, das Angebot an Betreuungsplätzen bedarfs- und qualitätsgerecht auszubauen. Eine Schlüsselrolle kommt dabei der Ausstattung von Kindertages- und Betreuungseinrichtungen mit ausreichend und gut ausgebildetem Personal zu. Die Qualität der Kindertagesbetreuung soll insbesondere durch gemeinsame Qualitätsziele gesichert werden. Die primäre Verantwortung für die Bedarfsplanung und Finanzierung der Kinderbetreuung fällt allerdings weiterhin in die Zuständigkeit der Länder.

SPD: Wir werden die Qualität von Kitas mit einem bundesweiten Gesetz und mit finanzieller Unterstützung des Bundes steigern. Zu den Qualitätszielen, die Teil dieses Gesetzes sein sollen, gehören für uns neben mehr und besser ausgebildeten Fachkräften sowie besser ausgestatten Räumen auch eine gesunde Ernährung für Kinder in Krippen, Kitas, Horten und Ganztagsschulen – und dass auch tatsächlich alle Kinder daran teilhaben können.

Die Linke: Es fehlen nicht nur Kitaplätze, es mangelt auch an Qualität. DIE LINKE setzt sich daher seit Jahren für ein bundesweit gültiges Kitaqualitätsgesetz sowie eine stärkere Beteiligung des Bundes an den Betreuungskosten ein und hat als erste Fraktion in der 18. Wahlperiode hierzu ein Konzept vorgelegt (Siehe dazu auch BT-Drucksache 18/12164 sowie 18/2605 ). Uns ist wichtig, dass Kinder überall auf vergleichbar hohem Niveau gefördert und betreut werden können.

Bündnis 90/Die Grünen: Uns ist wichtig, dass es sich um Plätze in richtig guten Krippen, Kitas und Kindergärten handelt. Eltern wollen ihre Kinder gut versorgt wissen. Kinder brauchen Fachkräfte, die ihnen Zeit widmen und sie individuell fördern. Leider hat sich die Qualität der Angebote seit Jahren nicht wirklich verbessert. Und es gibt zu wenige Erzieherinnen und Erzieher für unsere Kinder. Das wollen wir ändern.
Deswegen wollen wir bundesweit in einem Gesetz Qualitätsstandards festlegen. Dazu haben wir in unserem Antrag „Qualität in der frühkindlichen Bildung fördern“ (Drucksache 18/1459) Vorschläge in den Bundestag eingebracht.

FDP: Kitas sollen unsere Kinder fördern und nicht nur aufbewahren und betreuen – das Motto „sicher, sauber, satt“ ist zu anspruchslos. Stattdessen sollen auch Sport- und Musikangebote sowie Ergotherapie in den Kitabetrieb integriert werden. Dafür sind Fachkräfte nötig, die zur Anregung und Entwicklung von Kindern ausgebildet sind, die deren Probleme erkennen und Talente fördern. Für diese wichtige Aufgabe müssen Erzieherinnen und Erzieher entsprechend qualifiziert sein und sollten dafür auch angemessen bezahlt werden. Zusätzlich fordern wir Freie Demokraten, die Finanzierung der Kindergärten und Kitas schrittweise auf Bildungsgutscheine umzustellen. Denn so entsteht ein transparenter Qualitätswettbewerb um die besten Bildungsleistungen. Für jedes Kind gewährt der Staat Finanzierungsbeiträge. Damit diese Gelder transparent und bewusst eingesetzt werden, setzen wir uns für Gutscheine ein, die die Höhe der Beträge dokumentieren. Diese erhalten Eltern pro Kind und geben sie an die von ihnen gewählte Bildungseinrichtung weiter. Nur diese Einrichtung kann den Bildungsgutschein beim Staat einlösen. Staatliche, kommunale und Bildungseinrichtungen in freier Trägerschaft erhalten pro Kind den gleichen Betrag, damit die Eltern nicht nur die freie Wahl zwischen verschiedenen öffentlichen Angeboten, sondern auch zwischen öffentlichen und freien Trägern haben. Der Gegenwert der Gutscheine kann sich nach Lebensalter, zeitlichem Umfang der wöchentlichen Betreuung sowie bei besonderem pädagogischen Betreuungsbedarf unterscheiden.

Gehört aus Ihrer Sicht ein kostenloses Mittagessen zu einer guten Kita dazu?

CDU/CSU: Insbesondere bei Kindern, die von Armut betroffen sind, ist eine besondere Förderung nötig. Wir wollen sicherstellen, dass möglichst viel an staatlicher Unterstützung auch bei den Kindern ankommt und dazu das Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes ausbauen und unbürokratischer gestalten. Zum Bildungs- und Teilhabepaket gehört auch die Übernahme von Mehraufwendungen für das gemeinschaftliche Mittagessen in Schule und Kita.

SPD: Eine gesunde Ernährung gehört für uns zu den zentralen Zielen bei der Qualitätsentwicklung in Kitas – und: dass auch tatsächlich alle Kinder daran teilhaben können. Wir wollen allen Kindern und Jugendlichen in Kitas und Schulen ausgewogene Mahlzeiten ermöglichen und dazu die Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung verbindlich machen.

Die Linke: Nach Auffassung der LINKEN gehört ein gebührenfreies hochwertiges Mittagessen als ein unverzichtbarer Qualitätsbaustein in jede Kita.

Bündnis 90/Die Grünen: Für uns ist das gemeinsame Mittagessen der Kinder mehr als nur Nahrungsaufnahme. Auch unter pädagogischen Gesichtspunkten sind gemeinsame Mahlzeiten von Bedeutung, da sie nicht nur das soziale Miteinander fördern, sondern auch wichtige Kulturtechniken vermitteln. Eine gesunde Ernährung und die Einhaltung der Qualitätsstandards in der Kindertagesbetreuung sind uns wichtig. Um dies pädagogisch zu verankern, muss die Ernährungsbildung als Teil der Ausbildung von Fachkräften in der Kindertagesbetreuung weiter ausgebaut werden. Wir finden, dass die Kostenübernahme für das Mittagessen für Kinder aus Familien mit ALG-II-Bezug bzw. mit geringem Einkommen über das sogenannte „Bildungs- und Teilhabepaket“ auf nicht-stigmatisierende Weise gewährleistet sein muss. Wir haben daher in unserem Antrag „Gesellschaftliche Teilhabe und gute Bildung für alle Kinder und Jugendlichen sicherstellen“ gefordert, den Eigenanteil beim Mittagessen abzuschaffen. Grundsätzlich wollen wir das Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern aufheben. Damit wäre der Weg frei, auch mit Bundesmitteln durch kostenfreie Infrastruktur-Angebote Teilhabe am sozialen Leben, an Bildung, Kultur und Mobilität zu ermöglichen.

FDP: Wir Freie Demokraten unterstützen die Forderung nach bezahlbarer Verpflegung in den Kitas und beitragsfreie Kinderbetreuung ist das langfristige Ziel. Vorrang muss jedoch der Qualitätsausbau haben. Denn ein gesundes Aufwachsen beginnt mit der Ernährung. Wir wollen deshalb leckeres und gesundes Essen in Kitas und Schulen zum Standard machen.
Im Schulbereich haben wir beispielsweise das Bildungs- und Teilhabepaket auf den Weg gebracht, das sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen mehr Teilhabe im Schulbereich ermöglicht. Das umfasst auch die Bezuschussung der Schulverpflegung.

Qualität braucht Platz! Wieviel Raum braucht eine qualitativ gute Kita aus Ihrer Sicht?

CDU/CSU: Das Raumangebot in Kitas soll so gestaltet sein, dass es den Bedürfnissen der Kinder, vor allem auch dem Bedürfnis nach Bewegung, Rechnung trägt. Kinder brauchen eine Umgebung, die Anregungen gibt, zur Erforschung einlädt und vielfältige Erfahrungen ermöglicht. Die Mindeststandards für Gruppen- und Raumgrößen sowie den Personal-schlüssel legen in der Regel das Kindertagesstättengesetz des jeweiligen Bundeslandes, Richtlinien des Landesjugendamtes oder Satzungen von Trägern der Kindertageseinrich-tungen fest. CDU und CSU setzen sich dafür ein, dass die Qualität von Bildung und Betreuung weiter ausgebaut wird. Zu den Qualitätskriterien zählt neben einem guten Betreuungsschlüssel auch ein adäquates Raumangebot.

SPD: Ausreichend große und kindgerecht gestaltete Innen- und Außenflächen sind ein zentrales Element guter Kita-Qualität. In der Frage, welche Flächen pro Kind angemessen sind, orientieren wir uns an den gemeinsamen Qualitätszielen von Bund und Ländern für die frühkindliche Bildung.

Die Linke: Kitas brauchen Platz, auch an der frischen Luft! DIE LINKE setzt sich im Rahmen eines Kitaqzualitätsgesetzes auch dafür ein, Anforderungen an die Räumlichkeiten von Kitas zu definieren. Die Erarbeitung der Details in einem Kitaqualitätsgesetz soll nach unserer Ansicht aber von Expertinnen und Experten unter Beteiligung von Eltern und Beschäftigten erfolgen. Daher haben wir uns auf keine konkrete Größenordnung festgelegt.

Bündnis 90/Die Grünen: Die Zukunft beginnt in der Kindertagesstätte. Kindertagesstätten bieten Raum zum Spielen, Lernen und Sprechen und Kindern die Chance auf Bildungserfolg. Unserer Auffassung nach haben viele Aspekte Einfluss auf die Qualität der frühkindlichen Bildung. Dazu gehört, dass Kinder entsprechend viel Raum zum Spielen brauchen und um ihrem Bewegungsdrang nachgehen zu können. Wir engagieren uns für gute räumliche Bedingungen. Wie viel Quadratmeter eine gute Kita haben sollte, wird nicht von der Bundesebene vorgegeben.

FDP: Für uns Freie Demokraten läßt sich die Qualität der Kita nicht mit der Räumgröße gleichsetzen. Deshalb können wir keine genauen Größenangaben machen. Wir setzen uns dafür ein, dass eine gute räumliche Ausstattung durch eine gute Kita-Finanzierung sichergestellt wird. Eine moderne Kita ermöglicht beispielsweise nicht nur baulich durch einen barrierefreien Zugang, sondern auch fachlich durch ein entsprechendes Angebot die Inklusion von Kindern mit Behinderung.

Umso weniger Kinder eine Fachkraft betreuen muss, umso besser kann sie sich der individuellen Förderung der Kinder widmen. Wie sollte das angestrebte Fachkraft-Kind-Verhältnis aus Ihrer Sicht aussehen und mit welchen Maßnahmen wollen Sie dieses erreichen?

CDU/CSU: Für CDU und CSU sind die Erzieherinnen und Erzieher der entscheidende Schlüssel für die Qualität der Betreuung von Kindern in Kindertagesstätten. Daher muss es auch weiterhin um den qualitativen Ausbau der Kindertagesbetreuung gehen. Wir setzen wir uns für mehr und gut qualifiziertes Personal ein.

SPD: Gute Bildung für alle Kinder von Anfang an ist nur dann möglich, wenn ausreichend viele und gut ausgebildete Fachkräfte in den Kita-Gruppen eingesetzt sind. In der Frage, welche Fachkraft-Kind-Relation in den unterschiedlichen Altersgruppen angemessen ist, orientieren wir uns an den gemeinsamen Qualitätszielen von Bund und Ländern für die frühkindliche Bildung.

Die Linke: Je kleiner die so genannten Fachkraft-Kind-Relation ist, desto besser kann Betreuung und Frühförderung gelingen. Daher setzt sich die LINKE auch für eine Regelung zur Fachkraft-Kind-Relation in einem Kitaqualitätsgesetz ein. Nach Ansicht vieler Expertinnen und Experten ist eine Fachkraft-Kind-Relation im U3-Bereich von 1:3 empfehlenswert. Die Erarbeitung der Details in einem Kitaqualitätsgesetz soll nach unserer Ansicht aber von Expertinnen und Experten unter Beteiligung von Eltern und Beschäftigten erfolgen. Daher haben wir uns auf keine konkrete Größenordnung festgelegt.
Aber eines ist klar: gute Betreuung und Frühförderung gibt es nur, wenn die Beschäftigten zufrieden sind und gute Arbeitsbedingungen vorfinden.

Bündnis 90/Die Grünen: Eine Erzieher*in soll künftig höchstens drei Kinder unter drei Jahren bzw. höchstens zehn ältere Kinder betreuen. Wir wollen in Aus-und Weiterbildung von Erzieher*innen investieren und Rahmenbedingungen schaffen, dass sie besser bezahlt werden. Der Bund soll sich mit mindestens drei Milliarden pro Jahr an den zusätzlichen Kosten beteiligen.

FDP: Wir setzen uns für bundesweit beste Kita-Qualität ein, dazu muss sich auch der Bund noch stärker an der Finanzierung frühkindlicher Bildung beteiligen. Vorgaben wie beispielsweise konkrete Betreuungsschlüssel in Kindertageseinrichtungen sind jedoch eine Aufgabe der Länder. Wir unterstützen deshalb den bereits initiierten Dialog zwischen Bund und Ländern mit dem Ziel vergleichbarer und dabei qualitativ hochwertiger Standards.

Wie steht ihre Partei zum Fachkräftegebot in den Kindertagesstätten? Sollte der Bund die Länder darin unterstützen, Fachkräfte für die Einrichtungen zu gewinnen?

CDU/CSU: Entscheidend für ein gutes Angebot und die Bewältigung des weiteren Ausbaus der Kindertagesbetreuung sind die Fachkräfte. Bund und Länder wollen deshalb mehr Erzieherinnen und Erzieher für Kindertageseinrichtungen gewinnen, ihre Arbeitsbedingungen dauerhaft verbessern und für mehr Anerkennung dieses Berufsfeldes sorgen.
Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Fachkräftegewinnung Erzieherinnen und Erzieher“ aus Vertreterinnen und Vertretern des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, der Jugend- und Familienministerkonferenz, der Arbeits- und Sozialministerkonferenz und der Kultusministerkonferenz will Maßnahmen zur Aufwertung und zur Verbesserung der Arbeitsbedin-gungen des Berufsfeldes erarbeiten.

SPD: Mehr Qualität in Kitas geht nur mit zusätzlichen Fachkräften, die die Kinder in ihren Gruppen fördern und betreuen. Um diese zusätzlichen Fachkräfte zu gewinnen, muss der Erzieher/innenberuf aufgewertet und die Ausbildung verbessert werden. Das wollen wir auf Bundesebene mit einer Fachkräfteoffensive unterstützen.
Künftig soll aus der vollschulischen Ausbildung eine echte duale Ausbildung werden. Dadurch machen wir sie nicht nur gebührenfrei, sondern schaffen zudem eine Ausbildungsvergütung. Ein Anreiz, der dazu führen wird, dass auch Männer diesen Beruf verstärkt ergreifen. Außerdem wollen wir die Kindertagespflege weiter professionalisieren und aufwerten.

Die Linke: Gute Kinderbetreuung und Frühförderung erfordert qualitativ gut ausgebildete Fachkräfte. DIE LINKE lehnt die zahlreich aus dem Boden sprießenden Schmalspurausbildungen z.B. zum/zur Hilferszieher/-in oder Fachkraft Mittagsbetreuung ab. Der derzeit bestehende Mangel an Fachkräften kann nach unserer Meinung 1. Durch die Erklärung des Berufsfeldes zu einem Mangelberuf (bessere Fördermöglichkeiten in der Ausbildung durch die Bundesagentur für Arbeit), 2. Durch bessere Arbeitsbedingungen inkl. besserer Entlohnung in den Kitas und 3. Durch Rückkehrprogramme deutlich reduziert werden.

Bündnis 90/Die Grünen: Mit der Qualifikation des pädagogischen Fachpersonals steigt auch die Qualität der geleisteten Arbeit. Die Arbeit in den Kindertagesstätten ist in den vergangenen Jahren anspruchsvoller geworden. Um das breite Aufgabenspektrum zu bewältigen bedarf es einer erweiterten Personalstruktur. Wir finden, dass für einen Teil des Personals eine entsprechend höher qualifizierte Ausbildung notwendig ist. Daher streben wir an, dass mehr Fachkräfte mit Hochschulabschluss in den Einrichtungen beschäftigt werden. Außerdem wollen wir die Erzieher*innen-Ausbildung neu gestalten und attraktiver machen.

FDP: Wir Freie Demokraten setzen uns bundespolitisch für eine bessere Bezahlung und Ausbildung des Kita-Personals ein. Kitas sollen unsere Kinder fördern und nicht nur aufbewahren und betreuen. Dafür sind Fachkräfte nötig. Für diese wichtige Aufgabe müssen Erzieherinnen und Erzieher entsprechend qualifiziert sein und sollten dafür auch angemessen bezahlt werden.

Kitaplätze sollten überall und für alle zur Verfügung stehen. Was wollen Sie tun, um allen den Zugang zu Kitas zu erleichtern?

CDU/CSU: Mit dem massiven Ausbau der Kindertagesbetreuung und dem Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz ab dem vollendeten ersten Lebensjahr bis zum Schuleintritt sollte allen Kindern der Zugang zu einer Kita offenstehen. Damit dieser Anspruch auch eingelöst werden kann, hat der Bund Länder und Kommunen mit rund 6 Milliarden Euro unterstützt. Mit zusätzlichen 1,1 Milliarden Euro können nochmal 100 000 zusätzliche Kita-Plätze angeboten werden. Die Tatsache, dass inzwischen rund 95 Prozent aller Kinder vor der Schule einen Kindergarten besuchen, spricht dafür, dass grundsätzlich allen Kindern der Zugang zu einer Kita offensteht.

SPD: Wir sorgen für ein bedarfsgerechtes und flächendeckendes Angebot an Krippen, Kitas, Kindertagespflege, Horten und Ganztagsschulen. Die Zugangshürde Elternbeiträge bauen wir schrittweise ab. Alle Kinder sollen von Anfang an gleiche Chancen auf eine gute Bildung haben.

Die Linke: Die Beste Garantie, um einen Zugang zu Kitas zu erreichen, ist der Ausbau! Daher fordert DIE LNKE eine deutlich größeres Engagement des Bundes am Kitaausbau und den Kosten des laufenden Betriebes im Rahmen eines Kitaqualitätsgesetzes.

Bündnis 90/Die Grünen: Für den weiteren Ausbau des Angebots und zur Verbesserung der Qualität soll der Bund mit mindestens drei Milliarden Euro pro Jahr eine größere Verantwortung für die frühkindliche Förderung übernehmen. Konkret heißt das: Alle Kinder bekommen einen Anspruch auf einen Ganztagsplatz in einer guten Kita, die mehr als nur eine Betreuungseinrichtung ist und in der Kinder von 0 bis zur Einschulung ganzheitlich und interkulturell gefördert werden, indem Erzieher*innen Zeit haben, jedes einzelne Kind zu unterstützen.

FDP: Einen leichteren Zugang zu Kitaplätzen kann es nur geben, wenn das Angebot ausreichend zur Verfügung steht. Das Angebot kann zum Beispiel gesteigert werden, indem private Investoren gestärkt werden und nicht mehr beim Anteil der Eigenfinanzierung benachteiligt werden. So kann ein fairer Wettbewerb zwischen den Trägerschaften entstehen, der insgesamt zu einem besseren und größeren Angebot führt.

Obwohl der Bund immer mehr Geld in den letzten Jahren für Kitas ausgibt und die Länder und Kommunen finanziell unterstützt, sind Elternbeiträge vor Ort oft gestiegen. Eltern sehen sich in vielen Orten einer Verdoppelung von Beiträgen ausgesetzt und/oder mit dem Wegfall des Geschwisterbonus konfrontiert. Wie beurteilen Sie diese Entwicklungen? Andere Kommunen und Länder haben begonnen, einzelne Jahre oder einige Stunden am Tag beitragsfrei zu gestalten. Familien können nur wenige Kilometer auseinander wohnen, aber ihr Kitabeitrag unterscheidet sich um mehrere hundert Euro. Was muss getan werden, um diese Ungerechtigkeit zu beenden? Was kann der Bund in dieser Situation konkret unternehmen?

CDU/CSU: Die Priorität von CDU und CSU ist es, in den quantitativen und qualitativen Ausbau der Kinderbetreuung zu investieren. Kostenlose Kinderbetreuung kann ein langfristiges Ziel sein, primär sollte jedoch die Qualität der Kinderbetreuung gesichert werden. Entsprechend unserer verfassungsmäßigen Ordnung sind auch die Länder für die Zugangsregeln zu den Betreuungs- und Bildungseinrichtungen zuständig. Bildungsbenachteiligte Kinder sind schon heute von der Gebührenpflicht befreit. Maßnahmen, die von den Ländern in Angriff genommen werden sollten, wären eine konsequente Staffelung der Elternbeiträge nach sozialen Kriterien, damit diejenigen entlastet werden, die darauf angewiesen sind.

SPD: Wir werden Kita-Gebühren schrittweise abschaffen. Und wir wollen, dass der Bund auch dafür finanzielle Mittel zur Verfügung stellt.
Die derzeitige Situation ist aus unserer Sicht vor allem eines: ungerecht. Familien mit geringen Einkommen werden teilweise unverhältnismäßig stark durch die Elternbeiträge belastet. Und das mit erheblichen regionalen Unterschieden – je nach Bundesland, Kommune oder Träger. Wenn wir auf Bundesebene nichts tun und die Gebührenregelungen den Kommunen überlassen, wird das Gefälle immer noch größer: Kommunen, denen es gut geht, können sich Gebührenfreiheit leisten. Und die, denen es schlecht geht, können es nicht.

Die Linke: Die Gebührenentwicklung betrachten wir als LINKE äußerst kritisch. Es kann nicht sein, dass Kinder nach dem Zufallsprinzip des Wohnortes nicht nur vollständig unterschiedliche Kitalandschaften, sondern auch noch horrende Beitragsunterschiede im zum Teil dreistelligen Bereich binnen zwei Kommunen vorfinden. DIE LINKE setzt auf Gebührenfreiheit in den Kitas. Dies ist der einfachste und gerechteste Weg.

Bündnis 90/Die Grünen: Grundsätzlich ist unser Ziel, beitragsfreie Bildung von Anfang an – auch in Kitas. Gegenwärtig muss aber dringend in den bedarfsgerechten Ausbau und in die deutliche Verbesserung der Qualität investiert werden. Wichtiger als die Beitragsfreiheit ist uns, dass alle Eltern, die einen Platz wollen oder brauchen, auch einen guten Platz bekommen.
Klar ist, dass kein Kind von einer Kita ausgeschlossen sein darf, weil sich die Eltern die Beiträge nicht leisten können. Wir haben daher in unserem Antrag „Geld, Zeit, Bildung und Teilhabe – Familien gezielt unterstützen“ (Drs. 18/12110) die Bundesregierung aufgefordert, gesetzlich sicherzustellen, dass die Elternbeiträge in der Kindertagesbetreuung angemessen sozial gestaffelt sind und vor allem geringverdienende Eltern nicht belasten.

FDP: Derzeit sind die Kita-Beiträge meist einkommensabhängig gestaffelt und Haushalte mit geringem Einkommen von Beiträgen befreit. Wir Freie Demokraten setzen uns für eine sozial gestaffelte Höchstgrenze bei den Beiträgen ein. Beitragsfreie Kitas sind für uns wünschenswert und unser Ziel als Freie Demokraten. Priorität muss aber der Ausbau von Qualität haben: Wir brauchen kleinere Gruppen, mehr Erzieherinnen und Erzieher sowie flexiblere Öffnungszeiten.

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Wahlprüfsteine der BEVKi zur Bundestagswahl 2017

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