Hier ein Bericht zu unserem Hauptthema unseres Fachtages vom 26.06.2018 in Weimar:

Digitale Endgeräte gehören mittlerweile zu unserer Welt dazu – auch zur Welt der Kinder. Smartphones, Tablets, Spielkonsolen prägen den Alltag und auch die Arbeits- und Lernwelt. Kinder wollen ihre Welt erforschen und informatische Systeme – Computer, Roboter, Tablets – faszinieren sie. Sie wollen wissen, wie das Gerät funktioniert, was dahinter steckt oder wie das Bild auf den Bildschirm kommt.

Kinder stellen Fragen – und das ist gut so – egal, ob es nun den Bereich der Naturwissenschaften, Technik, Mathematik oder eben den der Informatik betrifft. Die Aufgabe der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ ist es, Pädagoginnen und Pädagogen stark zu machen, damit sie vorbereitet sind, um gemeinsam mit den Kindern auf die Suche nach Antworten auch auf diese Fragen zu gehen.

Das Thema Informatik ist relevant für die pädagogischen Fach- und Lehrkräfte – und damit auch für das „Haus der kleinen Forscher“, das sich als Unterstützer der Pädagoginnen und Pädagogen versteht.

„Informatik entdecken – mit und ohne Computer“

Informatische Bildung ist ein Teilgebiet der „digitalen Bildung“.  Pädagogik-Experten haben das sog. Dagstuhl-Dreieck entwickelt, um drei Dimensionen der digitalen Bildung zu unterscheiden:

  • eine anwenderorientierte Perspektive (Wie nutzt man Computer, Smartphones und Co.?),
  • eine gesellschaftliche Perspektive (Wie wirken digitale Technologien auf Individuen und die Gesellschaft?)
  • und eine technologische Perspektive (Wie funktionieren digitale Technologien?).

Das „Haus der kleinen Forscher“ als MINT-Bildungsinitiative konzentriert sich auf die technologische Perspektive. Dabei geht es viel um das Verstehen der Hintergründe: Was passiert in dieser Kiste namens Computer? Wie arbeitet er? Was kann er und warum?

Computerprogramme basieren auf Algorithmen, wir haben es also mit Mathematik und logischem Denken zu tun. Wenn eine pädagogische Fachkraft mit Kindern dazu forschen will, kann sie mit ihnen Strategie-Spiele spielen, Schach, Mühle, Knobel- und Denkaufgaben; gemeinsam können sie ein Sortiernetzwerk nachstellen und Programmieren in 3D spielen: Dafür braucht es keinen PC: Im Bewegungsraum können die Kinder die Erzieherin oder einen Freund „programmieren“, und dann schauen, ob ihre Angaben genau genug waren, damit sie zum gewünschten Ziel führen.

Die Konzepte und informatischen Denkweisen entspringen unserem Alltagsdenken:

Wenn wir jemandem den Weg beschreiben oder Spielregeln erklären, stellen wir ähnliche Überlegungen an wie jemand, der ein Programm schreibt; wenn wir auf die Idee kommen, beim Tischdecken mehrere Teller auf einmal aus dem Schrank zu nehmen oder auf dem Nachhauseweg noch einzukaufen, machen wir Grunderfahrungen in der Optimierung; und wer Tagebuch schreibt oder ein Geheimnis hat, macht sich Gedanken um Datenschutz.

Klassiker wie ‚Mensch ärgere dich nicht‘, Schach oder Mühle oder auch ein Spielplan, auf dem man Eiswagen sinnvoll über Knotenpunkte in der Stadt platzieren muss, sind Strategie-Spiele, die Kindern Spaß machen, die sie interessieren und zum Denken anregen. Das können Erzieherinnen und Erzieher gemeinsam mit den Kindern spielen oder ihnen zur Verfügung stellen, ohne dass sie dazu ein digitales Endgerät brauchen.

Wenn vorhanden, können digitale Geräte in einem weiteren Schritt eingebaut werden. Sie können helfen, dass Kinder die Transferleistung von der drei- auf die zweidimensionale Welt des Computers nachvollziehen können.

Informatik in der Kita?

Dem „Haus der kleinen Forscher“ ist es wichtig, Kinder beim Verstehen ihrer Welt zu unterstützen. Dazu nutzen wir das, was in der Welt der Kinder ist. So wird ein digitales Medium zu einem weiteren Werkzeug, so wie ein Bleistift und ein Papier Werkzeuge sind, um zu denken und um sich auszudrücken. So kann der Bildschirm ein Teil einer anregenden Lernumgebung werden und die Kinder aktive Mitgestalter und Akteure in ihrer Welt.

Es geht nicht darum, die Kinder aus dem Garten zu holen, wenn sie gerade dabei sind, Ameisen zu beobachten und sie genau dort ihre Fragen haben. Es geht darum, die Pädagogen zu befähigen, angemessen und selbstsicher dieses Thema angehen zu können, wenn die Fragen der Kinder, informatische Bildung betreffen. Denn Computer sind in unserer Welt. Jeder nutzt sein Smartphone oder seinen PC, das erleben die Kinder tagtäglich. Wir sollten unseren Kindern ermöglichen, ihre Fragen an die Welt zu stellen. Die Kinder damit alleine zu lassen, ist keine Lösung.

Durch das forschende Lernen entwickeln sie Problemlösekompetenzen, finden eigene Antworten und spüren Selbstvertrauen – „Ich kann!“  So befähigen wir unsere Kinder, selbstbestimmt zu denken und verantwortungsvoll zu handeln. Denn eine gute frühe Bildung ist der Schlüssel, um den Herausforderungen einer komplexen Welt mutig und selbstbewusst begegnen zu können.

Mehr Informationen zum Bildungsangebot der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ finden Sie hier:

https://www.haus-der-kleinen-forscher.de/de/praxisanregungen/experimente-themen/informatik/

Text: Michael Fritz, Vorstand der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“

Über die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“

Die gemeinnützige Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ engagiert sich für gute frühe Bildung in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) – mit dem Ziel, Mädchen und Jungen stark für die Zukunft zu machen und zu nachhaltigem Handeln zu befähigen. Gemeinsam mit ihren Netzwerkpartnern vor Ort bietet die Stiftung bundesweit ein Bildungsprogramm an, das pädagogische Fach- und Lehrkräfte dabei unterstützt, Kinder im Kita- und Grundschulalter qualifiziert beim Entdecken, Forschen und Lernen zu begleiten. Das „Haus der kleinen Forscher“ verbessert Bildungschancen, fördert Interesse am MINT-Bereich und professionalisiert dafür pädagogisches Personal. Gefördert wird die Stiftung unter anderem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Gesellschaftlicher Wandel durch die Digitalisierung: Ansätze und Erfahrungen früher Informatischer Bildung zum Verstehen und Mitgestalten der digitalen Welt

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