Referentin: Marion Binder, Leiterin Referat 513 – Ausbau und Qualität der Kindertagesbetreuung beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

In den letzten Jahren wurden über 400.000 zusätzliche Kita-Plätze geschaffen. Dies ist ein gemeinsamer Erfolg von Bund, Länder und Kommunen. Trotzdem ist der Bedarf an Betreuungsplätzen weiter zunehmend. Die Qualität in den Einrichtungen ist (relativ) stabil geblieben, zumindest blieb ein Qualitätseinbruch aus, aber es ist trotzdem weiterhin „Luft nach oben“.

Die Kitas bereiten nicht (nur) auf die Schule, sondern auf das Leben vor. Die Qualitätsansprüche sind allseits gewachsen. Der Fachkraft-Kind-Schlüssel steht unter Verbesserungsdruck. Der Vergleich von Fachkraft-Kind-Schlüsseln zwischen den Bundesländern muss auch immer im Kontext z. B. mit Angebot aus Betreuungsplätzen und Öffnungszeiten gesehen werden. Es ist zu beobachten, dass Länder mit gutem Schlüssel z. B. geringere Öffnungszeiten haben.

Der Fachkräftemangel hemmt den Ausbau der Betreuungsplätze und der Qualität.

Der Finanzierungsbedarf stieg seit 2000 mit 10,3 Mrd. € auf 30,7 Mrd. € (Soll) in 2017. Die Ausgabensteigerung begründet sich hauptsächlich im Platzausbau. Der Bund muss sich noch stärker beteiligen am Platz- UND Qualitätsausbau. Die Grafik zur Finanzierung zeigt, dass die Länder und die Kommunen zusammen prozentual den höchsten Anteil an den Ausgaben zur Kindertagesbetreuung zahlen, der Bundanteil des Bundes ist äußerst gering.

In diesem Zusammenhang wurde kurz die Fragestellung diskutiert, ob das Geld des Bundes in den Länder ankommt. Frau Binder stellt fest, das es auf unterschiedlichen Wegen ankommt.

Das Aufbrechen zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen ist ein Qualitätsziel des laufenden Prozesses. In der AG „Frühe Bildung“ mit Beteiligung u.a. der BEVKi wurden neun Handlungsfelder benannt. Einen erster Erfolg dieses Prozesses gab es in der Bund-Länder-Konferenz 2016, da im Zwischenbericht der AG erstmals Qualitätsziele von Bund und Ländern bestätigt wurden (siehe https://www.fruehe-chancen.de/qualitaet/qualitaetsentwicklungsprozess/zwischenbericht-2016/). Hier wurde der Fachkraft-Kind-Schlüssel sehr leidenschaftlich diskutiert und das Bekenntnis zur Umsetzung wurde durch die Länder übernommen.

Die dargestellten Zahlen sind absolut zu sehen, sprich bei 18 Kindern über drei Jahren sollen zwei Fachkräfte anwesend sein.

Aus den Handlungsfeldern folgen Eckpunkte für das Bundesqualitätsentwicklungsgesetz mit Beschluss der Jugend- und Familienministerkonferenz (JFMK) (siehe TOP 7 unter https://www.jfmk.de/index.cfm?uuid=18136D81FB48F0219C75CEF1C23695A2). Die Qualitätsentwicklungsbedarfe in den Bundesländern sind unterschiedlich, daher ist eine Festschreibung von Standards nicht sinnvoll, da höhere Qualität wieder abgesenkt werden könnte. Eine Festschreibung ist auch eher unwahrscheinlich, da die Bundesländer dazu keine Beschlüsse fassen würden. Stattdessen sollen die Bundesländer sollen selbst entscheiden, welche Ziele sie in der Qualitätsentwicklung am Beispiel der Handlungsfelder erreichen wollen bzw. schon erreicht haben. Das Erreichen der individuellen Ziele erfolgt mit finanzieller Unterstützung des Bundes. Die Ausgangslage der Qualität wird durch Evaluation/Monitoring bei Start des Gesetzes erhoben. Das Ziel der Qualitätsentwicklung ist Angleichung der Qualität zwischen den Bundesländern auf hohem Niveau. Die Elternvertretungen sollen in den Prozess auf Länderebene eingezogen werden. Eine eindeutige politische Positionierung für mehr Qualität in der frühkindlichen Bild ist auf vielen Ebenen gegeben. Die neue Bundesregierung muss das Gesetz nun auch beschließen.

In der anschließende Fragerunde wurde verschiedene Punkte vertieft bzw. ergänzt:

  • Ein Fachkräftekampagne kommt. Die Ausbildung zur/zum Erzieher_in soll vergütet werden. Eine Länderarbeitsgruppe zu dem Thema ist eingerichtet und arbeitet.
  • Zur Umsetzung der Qualitätsziele und der Beitragsfreiheit wären nach Schätzungen 10 Mrd. € pro Jahr notwendig. Die Beitragsfreiheit ist kein definiertes Qualitätsziel. Die aktuelle politische Debatte geht eher in Richtung Qualität und Unterstützung für „sozial Schwache“.

 gesamter Vortrag als PDF zum Herunterladen

BEVKi-Fachtag vom 11.11.2017: Bericht zum Vortrag „Der Qualitätsprozess – ein Meilenstein auf dem Weg zu guter Kindertagesbetreuung“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.