PressemitteilungDie Bundessprecher_innen der Bundeselternvertretung (BEVKi) haben auf ihrer Sitzung am 30. Mai in Hannover die aktuellen Entwicklungen in den Tarifauseinandersetzungen im Kita-Bereich gemeinsam erörtert.

 

Die Bundeselternvertretung weiß um die derzeitigen und zukünftigen Fachkräfteprobleme im Kita-Bereich. Bereits heute fällt es vielen Einrichtungen schwer ihre freien Stellen neu zu besetzen. Wir wissen, dass wir viele Fachkräfte benötigen, damit unsere Kitas auf mindestens dem heutigen Qualitätsniveau arbeiten können. Die Bertelsmann-Stiftung spricht bereits heute von 120.000 fehlenden Fachkräften. Dieser Fachkräftemangel wird sich noch vergrößern, denn die Beliebtheit von Kitas steigt bei Eltern noch immer an. Wenn wir diesen Beruf nicht endlich attraktiver machen, wird aus dem Fachkräftemangel ein ausgewachsenes Fachkräfteproblem und das trifft vor allem künftige Kitakinder. Nach Auffassung der BEVKi-Sprecher_innen liegt ein Schlüssel zur Lösung des Fachkräftemangels in der besseren Entlohnung. Eine Entlohnung, die den heutigen Anforderungen und der Ausbildung gerecht wird.

 

Erzieher_innen sind keine Basteltanten. Wir Eltern wissen das! Fachkräfte in unseren Einrichtungen leisten jeden Tag Großartiges. Kitas arbeiten heute auf Basis anspruchsvoll formulierter Bildungspläne und setzen die darin formulierten Anforderungen um. Unsere Kitas sind Bildungseinrichtungen geworden, in denen Eltern und Fachkräfte eine Bildungs- und Erziehungspartnerschaft miteinander eingehen, in denen Sprachtest durchgeführt werden, die sozialräumlich kooperieren und in denen alle Bildungsbereiche auf dem neuesten Stand der Erkenntnisse gelebt werden: zum Wohle unserer Kleinsten.

 

Die Gewerkschaften sind mit dem Ziel in die Tarifauseinandersetzung gegangen, den Erzieher_innenberuf aufzuwerten: Die Entlohnung soll endlich der Qualifikation und den formulierten Bildungsplänen entsprechen. Der BEVKi unterstützt dieses Ziel.

 

„Es gibt keine Zwei-Klassen-Bildungspläne und deswegen darf es auch keine Zwei-Klassen-Entlohnung geben“, so die BEVKi-Sprecher_innen auf ihrer heutigen Sitzung in Hannover. Erzieher_innen müssen insgesamt aufgewertet werden. „Eine weitere Ausdifferenzierung des Erzieher_innenberufs auf niedrigem Niveau oder gar nach unten darf es nicht geben“, so die BEVKi-Sprecher_innen. Wir begrüßen, dass der VKA nun endlich ein Angebot vorgelegt hat und so eine Weiterverhandlung überhaupt möglich macht. Der BEVKi hatte die Vorlage eines verhandlungsfähigen Angebotes immer gefordert. Die BEVKi-Sprecher_innen haben dieses Angebot auf ihrer heutigen Sitzung in Hannover bewertet.

 

„Leider ist das Angebot nicht geeignet den Beruf attraktiv zu machen. Es ist nicht erkennbar, dass die Arbeit aller Erzieher_innen leistungsgerecht gewertschätzt wird. Dieses Angebot ist aus unserer Sicht keine Grundlage für eine Aussetzung oder Beendigung des Streiks. Die Aufwertung des Erzieher_innenberufs wird damit nicht erreicht“, so die BEVKi-Sprecher_innen. Die BEVKi-Sprecher_innen erwarten konkrete Nachbesserungen vom VKA, die dazu geeignet sind, das Fachkräfteproblem für die Zukunft zu beheben. Die BEVKi-Sprecher_innen erwarten von den Gewerkschaften, dass die Einrichtungen der Notdienste und Auffanggruppen vor Ort stärker an den Bedürfnissen der bedürftigen Eltern sozialraumgerecht ausgerichtet werden. Es sollte angestrebt werden in jeder Kita eine Notgruppe einzurichten. Denn dieser Streik richtet sich nicht gegen Eltern und Kinder.

 

Gleichzeitig wollen wir Eltern weiterhin aufrufen, die Beiträge für die Kita zurückzufordern oder besser noch Kommunalparlamente eine Rückerstattung zu beschließen. Und mehr noch: Eltern sollen in den kommunalen Parlamenten erfragen, wie viel Geld pro Woche die Kommunen durch den Streik einsparen. Die BEVKi-Sprecher_innen fordern, dass Geld nicht zweckentfremdet wird, sondern in den Kommunen beschlossen wird, dass dies im Kita-Bereich verbleibt und für andere Kita-Vorhaben eingesetzt wird. Kommunen sollen eingesparte Haushaltsmittel, z.B. privat von Eltern oder Firmen finanzierten Kinderbetreuungsalternativen unkompliziert zur Verfügung stellen.

BEVKi begrüßt die Wiederaufnahme der Verhandlungen. Das Angebot ist aber unzureichend.
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7 Kommentare zu „BEVKi begrüßt die Wiederaufnahme der Verhandlungen. Das Angebot ist aber unzureichend.

  • 1. Juni 2015 um 21:05
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    Schade, dass Sie die Meinungen vieler Eltern nicht aufgreifen, sondern weiterhin Texte veröffentlichen, die Ihnen die Gewerkschaften in die Feder diktieren. Jetzt ist es also der Fachkräftemangel. Wir werden in ein paar Jahren sehen, wie teureres Personal zu mehr Stellen geführt haben soll. Mir ist das ein Rätsel. Vielleicht werden sich mehr bewerben. Aber auf weniger Stellen. Ich befürchte eher wir sehen Leiharbeit und Privatisierung. Schon jetzt lachen die Eltern über uns, deren Kinder in Krippen anderer Träger gehen.

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  • 1. Juni 2015 um 22:09
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    Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich verstehe das Anliegen der Erzieher und unterstütze dies auch – zumindest im Geiste, denn etwas läuft hier falsch mit dem Streik, der jetzt in die vierte Woche geht.
    Der Streik trifft in erster Linie die Eltern der Kinder, die in eine der Tagesstätten gehen, die bestreikt werden und schürt eine Wut, die keinen Gegner erreicht. Der eigentlich Verantwortliche ist fein raus – die Stadt, die sich noch über Einsparungen freuen kann.
    In diesem Paradoxon möchte ich meinem Ärger Ausdruck verleihen und finde keinen Ansprechpartner, der autorisiert ist und den Einfluss hat, etwas zu verändern. Das ist das größte Ärgernis, das mich in einer Hilflosigkeit zurücklässt, die nur schwer aushaltbar ist. Wir Eltern werden hier instrumentalisiert, ohne dass dies kommuniziert wird. Anstatt den Eltern klar zu sagen, dass der Druck nur durch uns stattfinden kann, wird ein Newsletter mit gut gemeinten, aber schwachen Ratschlägen verbreitet.
    Ich frage mich, wieso nicht deutlich gesagt wird, dass man sich ein Engagement von den Eltern wünscht und dieses auch organisiert – und hier sehe ich die Elternvertretungen in der Verantwortung, die mehr erreichen können, als wenn einzelne Eltern ins Bürgermeisteramt gehen und dort ihre Kinder abgeben (das war ein Witz auf dem Flyer von Verdi, den ich hier mal aufgreife).

    Es könnte Arbeitsgruppen geben, die Ideen sammeln, was man noch tun kann, um die Erzieher zu unterstützen, den Arbeitgeber unter Druck setzen. Dafür müsste in meinen Augen auch Motivationsarbeit geleistet werden, weil ich zum Beispiel nicht verstehe, warum im Forderungskatalog keine Rede davon ist, den Betreuungsschlüssel zu erhöhen – zum Beispiel durch eine Aufstockung der Vollzeitkräfte und Erhöhung der Netto-Arbeitszeit der Teilzeitkräfte. Das würde auch Eltern motivieren, sich aktiver einzusetzen.

    Vor allem muss die Kommunikationsstruktur verbessert werden, damit wir zum Beispiel nicht einen Tag vorher erfahren, dass unsere Kita am nächsten Tag geschlossen ist oder dass mein Kind in dieser Woche nicht in die Notbetreuung darf und warum nicht und überhaupt, wie der Stand der Verhandlungen ist und WER ANSPRECHPARTNER IST!

    Es ist auf jeden Fall nicht hinnehmbar, dass der Streik auf dem Rücken der Eltern und zum Leidwesen unserer Kinder ausgetragen wird, zumal noch bei fragwürdigem Ausgang!
    Es wird sicher nicht mehr lange dauern, bis die Stimmung kippt und ich hoffe, dass vorher eine Einigung gefunden worden ist.

    Guido Lindner
    Vater von Dominik (4)

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  • 2. Juni 2015 um 11:52
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    Die Geduld der Elter ist aufgebraucht!

    Es ist kein attraktiver Beruf weil:
    1.) der durschschnittliche Lohn über dem Bundes Median von 2.958,00 € pro Monat brutto monatlich liegt,
    2.) es unbefristete Verträge gibt,
    3.) die Urlaubzeiten geregelt sind,
    4.) regemäßig Fort- und Weiterbildung bezahlt wird,
    5.) das Gegenüber ein Kind ist.

    Die BEVKI sowie Ver.di behaupten Erzieher hätten einen wissenschaftlichen und reflektierenden Habitus. Wenn dies der Fall wäre, warum ist eine Einigung so schwer? Warum ist der Streik noch nicht zu Ende?

    Eltern waren solidarisch mit den Erzieherinnen, aber werden die Erzieherinnen auch solidarisch mit den Eltern sein, da es nun noch höhere Gebühren gibt? – Die Eltern zahlen die Zeche, direkt über Gebühren und indirekt über Lohnnebenkosten.

    Der Trend geht zum Freien Träge, gemäß Ver.di Unterlagen. Warum soll ich mein Kind bei einem kommunalen Träger anmelden, wenn 2016 wieder gestreikt wird.

    Danke, für die ungeklärte Betreuung in den Sommerschließzeiten! Selbst Oma hat keinen Urlaub mehr!

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    • 3. Juni 2015 um 0:11
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      Hallo „Kühne“,

      leider wollten Sie sich nicht weiter zu erkennen geben.

      Sie behaupten der Durchschnittsverdienst in einem nicht näher benannten Beruf läge bei 2958,– EUR brutto/Monat. Sollten Sie den Beruf der Erzieherin meinen ist Ihre Behauptung unrichtig.

      Sie behaupten weiter es gäbe unbefristete Stellen in diesen leider nicht nähern benannten Beruf. Im Sozial- und Erziehungsdienst der Kommunen haben wir das Problem, dass extrem viele Stellen über sehr lange Zeiträume, fünf bis sieben Jahre sind nicht ungewöhnlich, befristet vergeben werden.

      Weiterhin behaupten Sie die Eltern würden die „Zeche“ zahlen müssen, wenn die Löhne steigen. Das ist kein Automatismus, sondern eine politische Entscheidung. Es gibt genügend Beispiele in anderen Ländern, in denen auch die frühkindliche Bildung, wie in Deutschland die Schulbildung, für die Adressaten kostenfrei gestellt wird.

      Ich würde mich, auch in dieser für Sie angespannten Lage, über weniger tendenziöse Äußerungen, die das Klima in den Bildungseinrichtungen und auch Gesamtgesellschaftlich vergiften, freuen.

      Viele Grüße
      Matthias Niemann

      Antworten
      • 3. Juni 2015 um 22:51
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        Hallo Hr. Niemann,

        es freut mich, ins Gespräch zu kommen. Mich stört das der Job angeblich nicht attraktiv genung sein soll. Eine 10% finanzielle Aufwertung laut Ver.di ist nötig, da alles andere ohne Wert ist?

        Zu meinen Punkten eine kleine Exkursion.
        Jobangebote bei Stepstone für Erzieher. Nur um ein Beispiel zu nennen.
        WeltEndecker GmbH, bietet: – einen sehr guten Personalschlüssel – Möglichkeiten zur Mitgestaltung – eine verantwortungsvolle Aufgabe – einen engen Austausch mit dem Träger, der sich für seine Mitarbeiter verantwortlich fühlt- Aktionen wie Betriebsausflug und Weihnachtsfeier – unbefristete Festanstellung – einen sicheren Arbeitsplatz – Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten – Fachberatung und Supervisionen – übertarifliche Bezahlung – regelmäßige Verfügungszeiten für alle Mitarbeiter – kostenlose Essensverpflegung – Gesundheitsvorsorge – Flexibilität innerhalb der Arbeitszeiten

        Ist das nicht attraktiv? Hier wird mit übertariflicher Bezahlung und unbefristeter Festanstellung geworben. – Ist es falsch zu behaupten, dass das attraktiv ist?
        Nicht alle Kommunen haben bei ihren Erziehern die finanzielle Daumenschraube angelegt,
        sondern zahlen auf freiwilliger Basis übertariflich. -Das muss auch mal gesagt werden!

        Bisher hieß es immer, es geht um finanzielle Aufwertung, weil die Anforderungen an die Erzieher gestiegen sind. Es werden als Begründung z.B. die Inklusion (steckt bisher in den Kinderschuhen), die Integration (Native Speaker) und die Sprachförderung (Logopäden) genannt. Im Gesamtbericht Zukunftskonzept Kita 2020 federführend von Fr. Prof. Dr. Julia Schneewind wurde besonders herausgestellt, das im Elementarbereich Krippe/Kita ein MULTIPROFESSIONELLES TEAM gewünscht wird. So können die gestiegenen Anforderungen auf fachliche Schultern verteilt und eine effizientere Betreuungsarbeit geleistet werden.

        Wenn die Bezahlung eine politische Entscheidung ist, warum werden die Eltern nicht mit ins Boot geholt, um gemeinsam eine politische Forderung zu formulieren, die auch ankommt?
        Momentan sind die Eltern die Leidtragenden. Eltern, die sich um ihre Kinder kümmern, denken in dem Punkt nicht nach ökonomischen Gesichtspunkten. Den Erziehern geht es aber um einen positiven ökonomischen Effekt beim Streik.

        Die tendenziose Äußerung können Sie gerne in den Unterlagen der Ver.di Forderungen zum Streik nachlesen. Ich habe sie lediglich darauf hin gewiesen, da es in machen Städten bereits keine kommunale Kita-Trägerschaften mehr gibt.

        Mit freundlichen Grüßen

        Kühne

        Antworten
  • 3. Juni 2015 um 13:31
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    Dass diese Pressemitteilung herausgegeben wurde, ist ein großes Ärgernis.

    Die große Mehrheit der Elternschaft fordert inzwischen eine Aussetzung der Streiks während der Verhandlungen. Die derzeitige Fortsetzung der Streiks ist unsozial und verantwortungslos. Verdi nimmt vorsätzlich für ein bißchen Säbelrasseln am Verhandlungstisch die massive Schädigung von Eltern und Kindern in Kauf.

    Wir haben vom Sprecherkreis die Abstimmung zwischen Landesverbänden VOR dieser Pressemitteilung gefordert. Diese Abstimmung ist uns verweigert worden, damit man diese PM die nur noch die Privatmeinung der Sprecher wiedergibt, veröffentlichen kann.
    Elternvertretung sieht anders aus!

    Andreas Winheller
    Landeselternausschuss RLP
    Vorsitzender

    Antworten
  • 5. Juni 2015 um 8:41
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    Ich frage mich als Vorstand eine Gesamtelternbeirats wieder, wie diese Stellungnahme der BEVKI zustandegekommen ist. Hier bei uns würde das so nur ein kleiner Teil der Eltern unterschreiben. Zu suggerieren, dass die Meinung der Eltern ausgedrückt wird scheint mir deutlich zu weit zu gehen. Beispiele wie die die des Gesamtelternbeirats Stuttgart, Landeselternausschusses RLP und anderen sprechen eine andere Sprache. Eltern – und dazu gehöre auch ich – wollen sich nicht für Ver.di und auch für keine andere Seite instrumentalisieren lassen. Die Gleichung „was den Erzieher/innen nutzt ist auch gut für uns Eltern“ ist mir zu platt. Die Verantwortung in einem Tarifstreit liegt immer bei mehreren Seiten. Und die meisten Kommunen verdienen nicht an Streik, ihr Defizit bei den Betreuungskosten ist lediglich etwas geringer. Übrigens kann sich kaum noch eine Kommune dem entstandenen Sog entziehen, dem Städte wie Stuttgart, Ulm, Freiburg und im Nachgang Reutlingen u.a. erzeugen, indem sie Gebühren erstatten.
    Bevor hier also jemand den Anspruch erhebt, für die Eltern zu sprechen verlange ich zuerst eine klar nachvollziehbare Struktur, wie sich Eltern diese Meinung bilden. Die ist bei mir noch nicht angekommen – und wir vertreten hier sie Eltern eines großen kommunalen Trägers. Mit so einer Vorgehensweise schwächen wir eine bundesweite Elternvertretung eher als sie zu stärken.
    Ein letzter Punkt noch, in dem ich Euch sogar zustimme: wir müssen etwas am Personalschlüssel tun und da ist die Änderung der Finsnzierungsstruktur und gleiche Standards nötig. Das ist aber nicht das Thema im Tarifstreit.

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